Ein vatter=ländischer Liederbogen

nach Texten von Adolf Wölfli

1985/86

für Mezzosopran und teilpräparierten Flügel

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Kompositionsauftrag der Stadt Zürich

 

Ein vatter=ländischer Liederbogen, Bild aus der Partitur
Detail aus der Partitur

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1_bundeslied_und_schweizerpillen.mp3 1_bundeslied_und_schweizerpillen.mp3(2,1 MiB)

Inhalt

Bundeslied und Schweizerpillen (Marsch)

 

Heim=Weeh=Fluh (Kühreihen)

 

Der Herr und ... 2/3 Ysabahna (Marsch/Mazurka)

 

Trauermarsch: Einleitung, 590. Lied, 2420.Lied, 2952. Lied, 2955. Lied, 2956. Lied (Fragment)

 

Weitere Arbeiten zu Adolf Wölfli

1986 Teufelsmarsch für Sprechstimme und kleine Trommel (1 SpielerIn)

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1986 Jägerlied für Frauenstimme und Horn

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1987 Ein Trauermarsch für Sprechstimme und Schlagzeugtrio, nach Texten von Adolf Wölfli

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1991 Tabellen für drei Sprechstimmen und Schlaginstrumente (drei Ausführende) oder als Klanginstallation mit drei Tonbändern, nach Texten von Adolf Wölfli

 

Liliana Heimberg, Remo Signer, Felix Perret und Regina Irman interpretieren den Trauermarsch.

ZUM STÜCK

Im Jahr 1985 vergab die Musikkommission der Stadt Zürich eine Reihe von Kompositionsaufträgen zum hundertsten Geburtstag von Othmar Schoeck. Mit Texten von Schweizer AutorInnen sollten aktuelle Beiträge zur von Schoeck in bedeutender Weise gepflegten Gattung des Klavierlieds geschaffen werden.

Die Texte des schizophrenen Schweizer Malers und Dichters Adolf Wölfli bergen - nebst ihrer rhythmischen und klanglichen Kraft - zum Thema Heimat ein hohes Potential an Subversivität. Schweizertum, Vaterland, Heimat sind dort zwar allgegenwärtig, aber in einem Zerrspiegel, der keinerlei ungebrochene Gefühle aufkommen lässt.

Das musikalische Material des vatter=ländischen Liederbogens ist eng mit den Texten verknüpft, nimmt ihre archaischen Rhythmen auf und ist ebenso durchsetzt mit verfremdeten Helvetismen. Den Abschluss des Liederzyklus bilden fünf von Wölflis zahlreichen Trauermarschliedern, die er als sein Hauptwerk betrachtete.

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Biografisches zu Adolf Wölfli:

Geboren 1864 in Nüchtern/Kanton Bern in der Schweiz; Waisenkind, Verdingbub, später Hilfsarbeiter. Nach einer Haftstrafe wegen Notzuchtversuchen an Kindern wird Wölfli 1895 in die Irrenanstalt Waldau interniert, wo eine Schizophrenie diagnostiziert wird. Ab ca. 1899 beginnt Wölflis äusserst umfangreiches künstlerisches Schaffen, das bildnerische Werke, Erzählungen, Gedichte und Kompositionen umfasst. Er stirbt 1930 über der Arbeit am "Trauermarsch" in der Waldau.